Österreichs Bundesheer

Geschichte der Heeresunteroffiziersakademie

Ansichtskarte von 1909
Die Akademie auf einer Ansichtskarte von 1909.

Lehr- und Verwaltungskörper
Der Lehr- und Verwaltungskörper der Kadettenschule.

Schulklasse 1912/1913
Eine Schulklasse von 1912/1913.

Das Gebäude der Heeresunteroffiziersakademie in Enns wurde von 1906 bis 1908 als Militärunterrealschule oder Kadettenschule erbaut. Diese diente dazu, Jugendliche in vier Jahrgängen auf die Militärakademie vorzubereiten und war mit einem Oberstufenrealgymnasium vergleichbar. Bis 1918 wurden pro Jahr 160 Zöglinge unterrichtet. Der Lehr- und Verwaltungskörper bestand aus 17 Offizieren, einem Religionsprofessor und einem Militärarzt.

1919 diente die Kaserne für ein Jahr als Außenstelle des bischöflichen Knabenseminars Petrinum aus Linz.

Von 1921 bis 1936 waren drei Klassen der Bürgerschule Enns im Unteroffiziersgebäude untergebracht, bevor sie in das alte Sparkassengebäude in der Stadt Enns übersiedelten.

Offiziersausbildung

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Österreich laut Friedensvertrag zur Heranbildung des Offiziersnachwuchses die Aufstellung einer einzigen Militärschule zugestanden. Diese Militärschule wurde als Heeresschule mit dem Kommando und den Offiziersanwärterkursen in Enns und dann mit einem Kurs zur Körperausbildung in Wr. Neustadt aufgestellt.

1922 begann somit die Offiziersausbildung in Enns, die aus einer zweijährigen einheitlichen militärischen Schulung und einer einjährigen Sonderfachausbildung in den jeweiligen Waffengattungen bestand.

1926 wurde eine zweite Art der Heranbildung zum Offizier mit beschränkter Laufbahn beschlossen, in der militärisch besonders Begabten und als Unterführer erprobten Unteroffizieren ein zweijähriger Lehrgang an der Heeresschule ermöglicht wurde.

Ausmusterung Österr. Offiziere an der Heeresschule in Enns 1927
Ausmusterung von Offizieren an der Heeresschule in Enns 1927.
Haupteingang der Alpenjägerkaserne 1934
Haupteingang der Alpenjägerkaserne 1934.

Akademie und Schule

1928 wurde der dreijährige Lehrgang für Mittelschulabsolventen in "Offiziersakademie" und der 2-jährige Lehrgang für Unteroffiziere in "Offiziersschule" umbenannt.

Von 1922 - 1934 wurden 400 Offiziere in Enns ausgebildet.

Im August 1934 kehrte die Militärakademie an ihren alten Standort, der Burg in Wiener Neustadt, zurück. In die leere Kaserne rückte eine Kompanie des Alpenjäger-Regimentes Nr. 8 ein, das bis dahin in Wels stationiert gewesen war.

Nach Ende des 2. Weltkrieges beherbergte die Kaserne Teile der amerikanischen Armee, deren Aufgabe es war, die Zonengrenzen an der Enns zu überwachen.

Die B-Gendarmerie zieht ein

1953 beherbergte die Kaserne eine Abteilung der B-Gendarmerie bestehend aus Maturanten verschiedener Gendarmeriegrundschulen.

Überführung der "Pummerin" nach Wien über die Zonengrenze in Enns
Überführung der "Pummerin" nach Wien über die Zonengrenze in Enns.

Im Dezember 1954 wurden in Enns zwanzig Offiziersanwärtern der B-Gendarmerie zu Offiziersdiensttuenden Zugskommandanten ausgemustert.

Ein Jahr nach dem Staatsvertrag 1955 rückten die ersten Offiziersanwärter in die neugegründete Militärakademie in Enns ein.

Nach dem Wiederaufbau der Militärakademie in Wr. Neustadt kehrte 1958 diese wieder dorthin zurück.

Unteroffiziersausbildung

Mit dem Jahre 1958 schlug die Geburtsstunde der Heersunteroffiziersschule in Enns als zentrale Ausbildungsstätte aller Unteroffiziere des Österreichischen Bundesheeres. Die wichtigsten Kurse aus dieser Zeit waren der "Allgemeine UO-Kurs" in der Dauer von 6 Monaten, der "Mil-Kurs C für OStv/Ergänzungskurs" und der "Kurs für DfUO" jeweils in der Dauer von 6 Wochen.
Der Organisationsplan der Heeresunteroffiziersakademie, die Ausbildungsinhalte und zeitliche Dauer der einzelnen Kurse wurden im Laufe der Jahre immer wieder den Erfordernissen angepasst.

Eine einschneidende Änderung vollzog sich im Jahr 1995. In diesem Jahr erhielt die Heeresunteroffiziersakademie wiederum einen neuen Organisationsplan, der die Aufwertung der Schule zu einer Akademie brachte. Damit verbunden war jedoch die Forderung, in der Methodik der Ausbildung die Erwachsenengerechtheit in den Vordergrund zu stellen.
Wesentliche Änderungen vollzogen sich in der Unteroffiziers-Grundausbildung mit der Implementierung von vier Abschnitten, von denen zwei mit je ca. 9-10 Wochen Dauer an der Heeresunteroffiziersakademie zu absolvieren waren, mit der Ausmusterung zum Wachtmeister an der zentralen Ausbildungsstätte der Unteroffiziere und der Zuteilung von Lehrgangsnamen in Analogie zur Offiziersausbildung. In der Ausbildung wurde erstmals das Schwergewicht auf die Ausbildung zum Ausbilder gelegt.

Um die Jahrtausendwende erfolgten weitere Anpassungen an die militärischen Erfordernisse. So wurden im UO- und StbUO-Lehrgang Ausbildungsinhalte für internationale Einsätze (PSOAusb) implementiert. Zur weiteren Verbesserung der Auslandseinsatzfähigkeit des Kaderpersonals erfolgte in der StbUOAusb auch die Einführung der Fremdsprachenausbildung (Englisch) und den internationalen Anforderungen entsprechend auch eine Ausbildung im Stabsdienst und in EDV.

Zum ausbildungsmäßigen Grundstock der Heeresunteroffiziersakademie, nämlich die UO-Grundausbildung und -Weiterbildung, kommen noch eine Vielzahl von zusätzlichen Fortbildungs-angeboten wie z.B. Seminare in Persönlichkeitsbildung, ECDL, Rechtskunde, Politische Bildung etc.

Ausbildung von Zivilbediensteten

Ab dem Jahr 2004 erfolgt auch die Ausbildung der Zivilbediensteten der Verwendungsgruppen A3, A4 und die Facharbeiteraufstiegsprüfung an der Heeresunteroffiziersakademie.

Internationalität und internationale Beziehungen

Bald nachdem die Heeresunteroffiziersschule zur Heeresunteroffiziersakademie aufgewertet wurde entstanden die ersten Kontakte mit ausländischen Streitkräften durch Beschickung des Unteroffiziers- und Stabsunteroffizierslehrganges mit ausländischen Lehrgangsteilnehmern. Diese kamen aus Ungarn, Slowenien, Kroatien und der Schweiz.

Ab Ende des Jahre 2004 entwickelte sich aus der partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Luftwaffen von Deutschland, Schweiz und Österreich (ursprüngliche Bezeichnung "Alpendreieck") eine Kooperation mit dem Namen ENCOA ("European Non Commissioned Officer Academy"), gleichsam also eine europäische Unteroffiziers-Ausbildungsstätte gestützt auf Internet-Lernformen. In Österreich erhielt 2005 die Heeresunteroffiziersakademie den Auftrag zur Projektbeteiligung. Derzeit sind Deutschland mit der Unteroffiziersschule der Luftwaffe in Appen bei Hamburg, die Schweiz mit der Berufsunteroffiziersschule der Armee in Herisau und Österreich mit der Heeresunteroffiziersakademie beteiligt. Dieses Weiterbildungsangebot richtet sich vor allem an Stabsunteroffiziere in höherer Verwendung.

In der Durchführung wurde vollkommenes Neuland betreten: Unter Nutzung der Lernplattform ILIAS kommunizieren die Teilnehmer und Lehrer, die eigentlich mehr Begleiter sind und Teletutoren genannt werden, über einen eigenen Server im Internet. Bearbeitet werden Themen mit Bezug zu Tätigkeitsfeldern von Unteroffizieren unter besonderer Berücksichtigung internationaler Vergleichsmöglichkeiten. ENCOA ist an der Heeresunteroffiziersakademie seit 2006 im Weiterbildungslehrgang für Stabsunteroffiziere und seit 2008 in der Ausbildung der Lehrer integriert. Diese Methode der Ausbildung über das Internet gewinnt national wie international als Fernausbildung immer mehr an Bedeutung.

Über ENCOA entstehen neben den bestehenden Kontakten zu der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Sonthofen und der Heeresunteroffiziersschule der Bundeswehr in Delitzsch weitere Kooperationen mit den amerikanischen (Grafenwörth in Deutschland), französischen, ungarischen, kroatischen und serbischen Streitkräften.

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