Österreichs Bundesheer

Uniformen seit 1957

Seit der Gründung des Bundesheeres haben Österreichs Soldatinnen und Soldaten ihre Aufgaben in einer Vielzahl verschiedener Uniformen erfüllt. Mit der Uniform M 56 oder dem Drillichanzug der 1950er-Jahre hat die Bekleidung des Soldaten von heute jedoch nicht mehr viel gemeinsam. Mittlerweile kommen in der Produktion von Uniformen des Bundesheeres modernste Materialien und ausgekügelte Bekleidungskonzepte zur Anwendung.

Uniform M 56


Soldaten auf Gefechtsdienst mit der Uniform M 56.

Als erste Uniform des neuen Bundesheeres wurde die Uniform M 56 eingeführt. Diese war aus feldgrauem Tuch gefertigt. Die Tuchhose M 56 bestand aus einem eisengrauen Hosenstoff und war mit einem feldgrauen Baumwollfutter versehen. Für Offiziere gab es zusätzlich noch für den Ausgang im Sommer eine Kammgarnuniform.

Zur Uniform war das feldgraue Uniformhemd M 56 zu tragen. Offiziere durften anstelle dessen und Unteroffiziere zum Ausgang ein hellgraues Hemd tragen. Im Juni 1957 erlaubte man, dass das Uniformhemd M 56 als oberstes Bekleidungsstück beim Exerzier- und Gefechtsdienst erlaubt sei. Jedoch war immer - auch beim Gefechtsdienst - die Krawatte vorgeschrieben (siehe Bild). Als Kopfbedeckung war die Feldkappe M 56 zu tragen, welche ebenfalls aus feldgrauem Stoff gearbeitet war.

Für die kalte Jahreszeit wurde über der Uniform der Mantel M 56/M 57 getragen. Daneben gab es noch den Trenchcoat und den Gummimantel. An Schuhwerk waren für den Dienst Strapazschuhe und für den Ausgang Halbschuhe mit Leder- bzw. Gummisohle vorgesehen. Zu den Strapazschuhen wurden als Hosenabschluss Gamaschen aus Segeltuch getragen.

Kampfanzug M 57 (Tarnanzug)


Ein MG-Schütze im Tarnanzug während einer Übungspause.

Kurz nach dem Ungarn-Einsatz 1956 war klar, dass die alte Uniform M 56 nicht unbedingt einsatztauglich war. So wurde 1957 der Kampfanzug 57 eingeführt. Dieser bestand aus dem Tarnanzug und der entsprechenden Rüstung. Das Obermaterial war ein mit Tarnmuster bedruckter Baumwollatlas. Die Innenseite ist weiß, sodass Sowohl Hose als auch Jacke gewendet werden konnten und so auch als Wintertarnanzug dienten.

Unter dem Tarnanzug wurde zunächst der Anzug 56 getragen. In der warmen Jahreszeit war es auch gestattet, nur das Feldhemd als oberstes Bekleidungsstück zur Tarnhose zu tragen. Auf Befehl konnte auch der Trainingsanzug, und nach dessen Einführung auch der Drillich, unter dem Tarnanzug getragen werden.

Drillichanzug M 59

Um bei der Ausbildung, vor allem aber beim Gefechtsdienst, die Uniform M 56 und den Tarnanzug zu schonen, wurde 1958 ein Drillichanzug eingeführt. Dieser bestand aus Jacke, Hose und Kappe. Alle Teile waren aus feldgrauem Drillichstoff gefertigt.

Anzug 75


Ein Panzerabwehrtrupp mit dem Anzug 75.

Eine völlige Neuerung stellte die Einführung des zum Teil bis heute getragenen Anzugs 75 dar. Dieser basiert auf dem "Zwiebelschalensystem". So kann der Soldat wärmere Schichten anziehen und sich dieser wieder entledigen, ohne dass die Norm-Adjustierung ausgezogen werden muss. Die Farbe ist braungrau und hat die Farbnormenangabe "RAL 7013" des RAL-Farbregisters.

Beim Tragen der Feldschuhe sind die Hosenbeine der Feldhose im Schuhschaft einzuklemmen. Das Feldhemd aus braungrauem Baumwollgemisch hat Brusttaschen und Schulterklappen. Auf dem Feldhemd ist seit 1990 ein Flauschband über der rechten Brusttasche aufgenäht, an dem ein Namensschild befestigt werden kann.

Für die Übergangs- bzw. kalte Jahreszeit wurde die Feldjacke eingeführt. Sie besteht aus doppeltem wasser-, öl- und schmutzabweisendem braungrauem Baumwollgewebe. Auch an der Jacke kann ein Namensschild angebracht werden.

Als Kopfbedeckung existieren die Feldkappe und die Plüschkappe. Letztere ist mit einem Ohrenschutz ausgestattet, der unter dem Kinn geschlossen werden kann.

Als Fußbekleidung dienen die Feldschuhe leicht und schwer. Die Feldschuhe leicht sind Schaftschuhe mit geringem Gewicht aus pflegeleichtem Leder und aufgeklebter Formsohle. Sie sind für die wärmere Jahreszeit und leichtes Gelände vorgesehen. Für die kalte Jahreszeit, für schwieriges Gelände und für den militärischen Schilauf sind die Feldschuhe schwer vorgesehen. Diese sind handgenäht, aus kombiniert gegerbtem und wärmehaltendem Leder.

1992 wurde zur Kennzeichnung des Anzuges 75 als Uniform des Bundesheeres ein Nationalitätsabzeichen eingeführt. Dieses Abzeichen wird am linken Oberarm aufgenäht und enthält neben der Beschriftung "ÖSTERREICH - BUNDESHEER" auch das Bundeswappen.


Anm.: Diese Ausführungen basieren auf dem Buch "Die Uniformen des Österreichischen Bundesheeres 1952-1995" von Brigadier i.R. Rolf M. Urrisk.

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